10
Sep
09

Little Smirk

Zeitgenössische Kunstwerke treffen wiederholt auf das Unverständnis ihrer Betrachter. Sie führen zu der Frage „Was soll das?“ oder enden mit dem Urteil „Das ist doch alles Müll!“

Ein kurze Passage aus einem Zeitungsartikel über die zweite Ausstellung der Impressionisten Monet, Cézanne, Renoir, Degas & Co., die im Jahre 1876 in den Räumlichkeiten des Pariser Kunsthändlers Durand-Ruel stattfand, hat mich daher schmunzeln lassen:

„Die Rue de Peletier ist eine Unglücksstrasse. Auf den Brand der Oper ist ein neues Unglück gefolgt. Soeben ist bei Durand-Ruel eine Ausstellung eröffnet worden, die angeblich Bilder enthalten soll.
Ich trete ein, und meinen entsetzten Augen zeigt sich etwas Fürchterliches.
Fünf oder sechs Wahnsinnige, darunter eine Frau, haben sich zusammengetan und ihre Werke ausgestellt.
Ich sah Leute vor diesen Bildern sich vor Lachen wälzen. Mir blutete das Herz bei dem Anblick.
Diese so genannten Künstler nennen sich Revolutionäre, ‚Impressionisten‘. Sie nehmen ein Stück Leinwand, Farbe und Pinsel, werfen auf gut Glück einige Farbkleckse hin und setzten ihren Namen unter das Ganze.
Es ist eine ähnliche Verblendung, als wenn die Insassen einer Irrenanstalt Kieselsteine aufheben und sich einbilden, sie hätten Diamanten gefunden.“

(Albert Wolff, Le Figaro, 3. April 1876, aus: Gombrich, E.H.; Geschichte der Kunst, Berlin 1996, S. 519)

monet

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